Sie kennen das: Irgendein Mensch mit Selbstwertstörungen versucht, Sie nervlich zu attackieren. Wenn Sie sich darauf einlassen, haben Sie meist verloren, denn oft wollen solche Menschen Sie aus Prinzip klein machen, um sich selbst aufzuwerten, das heißt, egal was Sie anstellen und wie sehr Sie dabei recht haben, Sie kriegen weiterhin „auf die Mütze“. Nun gibt es aber eine hervorragende Möglichkeit, da heraus zu kommen: Winter’s Verbal- Aikidō. Das Ziel bei der fernöstlichen Selbstverteidigungsart Aikidō ist es, Aggressionen abzuwehren und die Kraft des Angreifers zu nutzen, um diesen in eine Situation zu bringen, in der er nicht ohne weiteres einen erneuten Angriff starten kann. Eine Besonderheit des Aikidō ist, dass es nur wenige Angriffstechniken besitzt und mehr Gewicht auf den defensiven Part legt. Dabei werden im Wesentlichen zwei Prinzipien verwendet, das Prinzip des „in den Angriff Eintretens und mit ihm Harmonisierens“, und das Prinzip, den Angriff mit einer Drehbewegung vorbeizulassen und dabei mit ihm zu harmonisieren. Und genau das funktioniert auch super mit Worten.
Beispiel: Ein besonders zickiger Nachbar beschwert sich über ihren ständig bellenden Hund.
Und so geht’s:
1) Sie bedanken Sich beim Aggressor für die Kontaktaufnahme und den Hinweis, den er Ihnen liefert. („Danke für Ihren Hinweis, dass sie sich durch meinen Hund gestört fühlen“). Damit nehmen Sie ihn ernst, denn das braucht er und Sie belassen die Verantwortung bei ihm, denn nicht der Hund stört, sondern der Nachbar fühlt sich gestört.
2) Sie laden ihn zu einem Gespräch ein, bei dem weitere Nachbarn teilnehmen („Das Problem geht uns alle an“). Damit stellen Sie sich seinem Zweikampf, Sie zeigen keine Angst, womit er nicht rechnet und er muss sich vor anderen Verantworten, also sehr argumentstark sein.
3) Sie bitten ihn dann vor Zeugen um einen konstruktiven Rat, das Problem abzustellen („Was können wir ihrer Meinung nach gemeinsam tun, damit Sie sich nicht weiter gestört fühlen“). Hier machen Sie ihn zu Ihrem Verbündeten, ziehen sich aber weiterhin nicht den Schuh an, dass Ihr Hund das Problem verursacht. Er kann nun versuchen, auf ignorant zu schalten, doch dann setzt er sich der Kritik aus, keine Lösung finden zu wollen. Sie jubeln ihm zudem vor Zeugen unter, dass sie ihn in seinen Rechten Ihrem Hund gleichsetzen, ohne dass er dies ohne weiteres reflektieren kann.
4) Wenn Sie im Verbal-Aikidō Meisterreife haben, schaffen Sie es, dass ihr Nachbar täglich mit Ihrem Hund spazieren geht, er sich mit dem Tier anfreundet und sogar dafür aus der Nachbarschaft einen Orden dafür bekommt.
Sie kennen mich: das, was ich ihnen hier etwas flapsig im Plauderstil referiere ist angewandte Tiefenpsychologie. Dahinter steht das Erkennen, dass ein Aggressor Anerkennung und Recht bekommen will – aber nicht weiß wie. Sie verhelfen ihm zu dem, was er braucht, lassen ihm die Lorbeeren dafür und haben Ihre Ruhe. Wichtig ist, dass Sie diese Technik wirklich beherrschen, also das, was Sie sagen wirklich von Ihnen ernst gemeint ist, denn sonst fliegt die Sache auf. Ich selbst habe mit Verbal-Aikidō die unsachlichsten Angriffe so umleiten können, dass die Kontrahenten im Anschluss fast Freunde wurden.