Spaß gegen Stress
Was ist Stress und was verursacht Stress? Diese Fragen beschäftigen nicht nur einen Großteil der psychologischen Forschung, sondern auch viele der Menschen, die zu mir in die Praxis kommen. Die Wissenschaft ist sich darüber noch recht uneinig. Denn was der eine Mensch als Stress empfindet, vom anderen als anregend empfunden. Es gibt also offenbar keinen objektivierbaren Stress.
Meine Definition von Stress ist: „das subjektive Empfinden von anhaltender Unfreiwilligkeit“. Dies erklärt, warum Schumi stundenlang Autorennen fährt und danach noch fröhlich lacht, während Charlotte aus meinem Fallbeispiel von SCOUT Nr. 10 („Das Trauma hinter dem Trauma – angstfrei nach vierzig Jahren“) bereits Herzrasen und Schnappatmung bekam, wenn sie nur ans Autofahren dachte.
So wird Ihnen auch klar, warum Ihr Gatte seit drei Wochen für Ihren Nachbarn den halben Dachboden renoviert, während Sie seit einem Jahr schon betteln, dass er mal Ihr Wohnzimmer tapeziert. Denken Sie nach: Das, was für Sie purer Stress ist, ist für jemand anders womöglich eine Herausforderung und das, womit Sie Stunden verbringen können, wäre für jemanden, der das Selbe tun müsste eine Qual. Das Empfinden von Unfreiwilligkeit wird deswegen unangenehm empfunden, weil wir hierfür ganz bestimmte Areale, vorwiegend in der linken Gehirnhälfte, benutzen (etwa die Insula oder auch das Wernicke Zentrum, u.a.) und diese permanent und absichtlich ansteuern können. Hierdurch kann dort eine Überwärmung und eine Sauerstoffschuld entstehen. Dies beides ist potentiell für das Gehirn tödlich und erzeugt einen „Abschaltimpuls“ im Gestalt eines Überforderungsgefühls („ich kann nicht mehr, ich brauche Pause/muss erst mal eine Rauchen/ muss aufs Klo“). Wenn wir dieselbe Aufgabe nicht mit dem Empfinden von Zwang, sondern mit dem Empfinden von Sinn (gemeint ist ein emotionaler Sinn für sich selbst, also Spaß, Lust, Erfolgserlebnis, Komfortzuwachs und dergl.) angehen, dann bringen wir damit nicht unser eigenes Gehirn in Gefahr.
Wie verhindert man also Stress? Ganz einfach: Indem Sie zunächst einmal feststellen, dass Sie eine schlechtere Alternative zu Ihren Pflichten haben, diese also nicht erledigen müssen, sondern wollen. Erkennen Sie also den persönlichen Vorteil, den Sie haben, wenn Sie Ihre Arbeiten erledigen.
Wenn Sie also merken: Ich muss nicht am Fließband arbeiten, um meine Familie zu ernähren, sondern ich will, damit meine Familie bei mir bleibt, dann empfinden Sie das nicht mehr länger als Stress – vorausgesetzt, Sie mögen Ihre Familie. Glauben Sie nicht? Ausprobieren!